© Zelten am Mönchsteich 1950er Jahre, Foto: Kreisarchiv Stormarn1959 berichteten die „Lübecker Nachrichten“ von einem neuen Zeltplatz am Mönchsteich, der vom Forstamt Trittau am Ostufer des Sees eingerichtet wurde. „Mit der Anlage dieses Platzes, der seit fünf Jahren geplant war, gehen die Wünsche des Forstamtes, den Zeltbetrieb in geordnete Bahnen zu lenken, in Erfüllung“, schrieb der Journalist optimistisch. „Der bisher benutzte Zeltplatz wird aufgehoben.“
Am See entstanden damals sanitäre Anlagen, Wasserentnahmestellen, ein Stromanschluss, Parkplätze und ein Gebäude für die Bewirtung. Der Campingplatz wurde an einen Gastwirt aus Großensee verpachtet. Doch der anfängliche Optimismus erwies sich als verfrüht. „Wir haben im Archiv Unterlagen, die bezeugen, dass der Campingplatz nicht den rechtlichen Ansprüchen genügte“, erläutert Trittaus Archivarin Ann-Sophie Hellmich-Schwan, die auch für Siek zuständig ist.
Wildes Campen und viel Müll
Der Kreis Stormarn schaltete sich ein, der in den 60er-Jahren wiederholt zu Begehungen auf dem Campingplatz war. „Dabei wurde kontrolliert, wie mit Müll und Campingplatz umgegangen wurde und ob er geltendem Recht entsprach“, so die Archivarin. Offenbar nicht, denn 1970 bestimmte der Kreis, dass der Campingplatz zurück gebaut werden musste. Dort war es anderen Zeitungsberichten zufolge mal zum Diebstahl eines Banjos und zu Brandstiftung gekommen, der zwei Zelte zum Opfer fielen. „Uns liegt im Archiv eine Verfügung vom Dezember 1970 vor, dass die Leute ihre Sachen entfernen sollen.“ Offenbar hatten sich immer mehr Camper mehr oder weniger feste Unterkünfte eingerichtet oder Wohnmobile geparkt, die nach damaligem Recht auf einem Zeltplatz nicht erlaubt waren.
„1971 wurde die Verfügung zur Räumung noch einmal bis März 1971 verlängert, weil so schlechtes Wetter war“, erzählt Ann-Sophie Hellmich-Schwan. „Das sind Verfügungen des Ordnungsamtes, die zeigen, dass die Verwaltung auf Grundlage des Gesetzes handelt.“ Das sah das Recht am Mönchsteich in mehrerlei Hinsicht verletzt. „Der Zeltplatz wurde auf Anordnung des Kreisordnungsamtes vom 30. Juni 1970 … wegen unzureichender Erfüllung der Auflagen nach den neuen Vorschriften der Landesverordnung über das Zeltwesen vom 11. Juni 1969 geschlossen“, meldeten die „Lübecker Nachrichten“ in einem Artikel, der im Trittauer Archiv aufbewahrt wird. „Hiermit soll ein wildes Wohnen wie in der Vergangenheit mit all seinen Auswüchsen wie Umweltverschmutzung und dergelichen verhindert werden.“ Pläne, den Campingplatz mit neuen Regeln wiederzueröffnen, verliefen im Sande.
Archive als Bollwerk gegen Fake News
Auf Geschichten wie diese stößt die Archivarin immer wieder, wenn sie Akten einordnet und für die Öffentlichkeit einsehbar macht. „Es gibt noch weitere Beispiele, auch von Geschehnissen, die bis heute relevant sind und sensibel behandelt werden müssen.“ Für Ann-Sophie Hellmich-Schwan sind das Beispiele für unverzerrte Wahrheiten. „Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) verweist gerade jetzt darauf, wie wichtig Archive für den Faktencheck sind.“
Mit der technischen Entwicklung wird es immer einfacher, die Wahrheit zu verzerren. KI, Fake-News in sozialen Medien oder eine manipulierte Berichterstattung sind Beispiele dafür. „Wir erleben derzeit im Bundestagswahlkampf, wie einige die Gewichtung von Sachverhalten so darstellen, wie es ihnen passt“, erklärt Ann-Sophie Hellmich-Schwan. Hier sieht sie die Archive als ein wichtiges Bollwerk.
„Entscheidungen und Verwaltungshandeln können durch die Einsicht in Protokolle und Unterlagen nachweisbar gemacht werden“, betont die Historikerin. Im Kommunalarchiv werden Verwaltungsvorgänge archiviert, Zeitzeugenberichte gelagert und das Gemeindeleben dokumentiert. „Das ist wichtig für das Verständnis von Vergangenheit.“ In den Unterlagen fänden sich Beispiele für Entscheidungen, die durch Dokumente als objektiver Sachverhalt bewertet werden könnten. „Eine freiheitliche Gesellschaft braucht starke Archive“, heißt es in einem Positionspapier des VdA.


